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Retrospektive Studie zum Vorkommen des equinen okulären PEK


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Retrospektive Studie zum Vorkommen des equinen okulären PEK

Beitrag#1von Sahiba » 22. Jul 2015 14:26

Retrospektive Studie zum Vorkommen des equinen okulären Plattenepithelkarzinoms
an der LMU München in den Jahren 1995 - 2010


Dissertation von Martina Keller, 2011

ZUSAMMENFASSUNG

Im Bereich des Auges zählt das Plattenepithelkarzinom beim Pferd zu den am häufigsten auftretenden Neoplasien, und bisher sind die ätiologischen Faktoren des Tumors noch nicht vollständig geklärt. Seit vielen Jahren gilt eine aktinische Schädigung betroffener Lokalisationen, einhergehend mit einer schwächeren Pigmentierung der Haut, als tumorinitiierend. Immer wieder wurde von verschiedenen Autoren über Rasse-und Farbprädispositionen berichtet, wasin dieser Arbeit durch die retrospektive Auswertung des Patientengutes der Klinik für Pferde der LMU München der Jahre 1995-2010 überprüft werden sollte. Das Kollektiv wurde nach Alter, Farbe, Rasse und Geschlecht auf das Auftreten eines okulären Plattenepithelkarzinoms hin untersucht, und die Befunde bezüglich Größe, Lokalisation, Erkrankungsdauer, Rezidivierung, den am häufigsten gestellten Differentialdiagnosen, Therapie sowie dem Auftreten extraokulärer Plattenepithelkarzinome erhoben, um, neben dem Vergleich mit der meist angloamerikanischen Litertaur, für den deutschsprachigen Raum repräsentative Aussagen über Prädispositionsfaktoren dieser Erkrankung treffen zu können.

Im 15-jährigen Zeitraum von 1995 bis Oktober 2010 wurden 195 Pferde mit dem Verdacht auf ein okuläres Plattenepithelkarzinom erfasst, was sich in 124 Fällen durch eine pathohistologische Untersuchung bestätigen ließ. Am häufigsten vorgestellt wurden Pferde mittleren Alters der Farbgruppen Fuchs (54,9%), Schecken (24,6%) und Braune (10,3%), wobei innerhalb der Füchse das Farbdetail Lichtfuchs am häufigsten vertreten war. Bei Betrachtung der vorgestellten Rassen spiegelt sich dies in der großen Anzahl der Haflinger wieder (35,9%), gefolgt von Warmblütern (22,1%) und den Appaloosas (7,2%). Aufgeteilt nach dem Geschlecht befanden sich unter den 195 Pferden 117 Wallache, 69 Stuten und 9 Hengste, was ein Geschlechterverhältnis von 2:1 ergibt.

Für die statistische Auswertung der gewonnenen Daten und die Erstellung von Graphiken und Tabellen wurden die Daten in Excel-Tabellen gesammelt und bearbeitet. Auch eine explorative Untersuchung wurde durchgeführt, um Zusammenhänge zwischen dem pathohistologisch positiven Befund und dem Nationale, also Alter, Farbe, Rasse und Geschlecht sowie den Befunden an den Augen wie Größe, Lokalisation, Krankheitsdauer und Rezidivierung zu beschreiben. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden statistisch je nach Fragestellung durch den Fisher ́s Exact-Test, den χ²-Test, den Kruskall-Wallis-Test, den Wilcoxon-Test sowie der Pearson-Korrelation mit anschließendem t-Test überprüft.

Eine Korrelation zwischen Alter des Patienten und der Erkrankung konnte aber nicht nachgewiesen werden. Auch die vielfach beschriebene Prädisposition bestimmter Rassen, v.a. der amerikanischen, sowie hellerer Farbtöne war nicht direkt nachvollziehbar, jedoch stellte die durchgeführte Power Analysis eine Signifikanz für helle Farbschläge bei einer höheren Patientenanzahl in Aussicht. Geschlechtsspezifisch ergab sich für das Auftreten eines PEKs ebenfalls keine Signifikanz. Interessante Erkenntnisse lieferte die Untersuchung der betroffenen Lokalisationen: Sklera (p=0,001496), Konjunktiva (p=0,002027) und die Nickhaut (p=0,003895) sind hochsignifikant häufig von einem PEK befallen, und auch bei mehr alseiner betroffenen Struktur (p=0,01964) und den Lidern (p=0,04015) kann von einem signifikanten Zusammenhang gesprochen werden. Betrachtet man nun die jeweils betroffene anatomische Struktur bzw. die Lage am Auge im Hinblick auf die Rasse des Patienten (χ²-Test mit p=5,6x10 ̄⁷), so sind Haflinger häufiger am Limbus und seltener an der Nickhaut betroffen, bei Warmblütern verhält es sich genau umgekehrt. Criollos dagegen leiden sowohl an den Lidern als auch an mehreren gleichzeitig betroffenen Strukturen häufiger an dieser Neoplasie. Dementsprechend lies sich, bezüglich der Lage am Auge, zeigen, dass Veränderungen bei Haflingern häufiger temporal und bei den Warmblütern häufiger nasal liegen, Criollos zeigen häufiger im ventralen Bereich ein PEK (χ²-Test mit p=2,3x10 ̄⁹). Auch für den Farbton wurden Prädispositionen bezüglich betroffener anatomischer Struktur und Lage am Auge überprüft (χ²-Testmit p=1,6x10 ̄⁵und p=3,8x10 ̄⁵), was für dunkle Tiere folgendes Ergebnis ergab: sie sind seltener im limbocornealen Übergang und häufiger an der Nickhaut erkrankt, bei hellen Tieren verhält es sich genau umgekehrt. Desweiteren sind dunkle Pferde häufiger an einem nasal gelegenen PEK und seltener an einem PEK im temporalen Bereich erkrankt, bei den hellen Pferden kann man von einer selteneren Erkrankung des nasalen Bereichs sprechen. Ein Verdacht auf Rezidivierung lag bei 45 Patienten dieser Studie vor, der sich in 20 Fällen pathohistologisch bestätigte. Einfluss auf die Bildung eines Rezidivs hatten Erkrankungsdauer (p=7,8x10 ̄³), Rasse (p=0,0445) und Farbton (p=0,0340), wobei eine kürzere Erkrankungsdauer mit einem geringeren Risiko für die Rezidivierung einherging und helle Farbtöne bzw. die Rassen Crillo, Appaloosa und Haflinger häufiger betroffen waren.

Mit einer in dieser Studie vergleichsweise hohen Prävalenz von 0,6% ist das equine okuläre PEK ein häufig zu beobachtendes Krankheitsbild mittelalter Pferde aller Farben und Rassen. Weniger die Fellfarbe und Rassezugehörigkeit des Pferdes als vielmehr die tatsächliche Pigmentierung der Prädispositionsstellen Sklera, Konjunktiva und Nickhaut scheinen ausschlaggebend für das Auftreten dieser Neoplasie zu sein, wobei jahreszeitliche Schwankungen der Sonneneinstrahlung und klimatische Faktoren bei der Pferdehaltung im gemäßigten Klima des deutschsprachigen Raumes deutlich weniger Einfluss nehmen als von Autoren des amerikanischen Raumes beschrieben. Die Größe des Tumors wird weder von der Erkrankungsdauer noch von der betroffenen Lokalisation am Auge beeinflusst, jedoch scheintdie Dauer der Erkrankung mit einer höheren Rezidivrate einherzugehen.

Schlussendlich zeichnet diese Studie ein umfassendes Bild dieser equinen, neoplastischen Erkrankung und zieht Parallelen als auch neue Erkenntnisse zu bereits von anderen Autoren veröffentlichten Arbeiten, wobei besonders die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich der betroffenen Lokalisationen hervorzuheben sein dürften.


Die vollständige Dissertation kann man :arrow: hier nachlesen.
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